Sonntag, 27. Juli 2025

Balkonkraftwerk - Plug and Play mit Anlaufschwierigkeiten (5): Fluch und Segen der Stromernte I

Nun steht es also da, das Balkonkraftwerk. Nicht ganz wie ursprünglich geplant, aber es produziert - und wie: am 20.06.2025 -dem längsten Tag des Jahres- schien ununterbrochen die Sonne. Konkret lieferten die 4x 500W (Spitze) an diesem Tag den Spitzenwert von fast 15 kWh Strom. 😱 Wahnsinn. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Tage davor und danach auch nicht wesentlich schlechter waren. Und damit stand dann natürlich die Frage im Raum: wie kann ich möglichst viel davon selbst verwenden? Hierzu in diesem Teil zunächst etwas Theorie. 

Der Trick ist generell, wenn möglich die Produktion dem eigenen Leben anzupassen. 👈Wer tagsüber zu Hause ist und z.B. mittags kocht, fährt mit der Südausrichtung der Panele am besten. Leute, die morgens und abends zu Hause sind, sollten dagegen eine Ost-West-Ausrichtung vorziehen, auch wenn die Stromausbeute etwas geringer ist. Bei mir war überhaupt nur Südausrichtung sinnvoll möglich, was aber passt. Die Produktion beginnt im Hochsommer (!) morgens gegen 7 Uhr und endet um 19 Uhr. Hier wird also 12 Stunden produziert, um die Mittagszeit (11-15 Uhr) bei Vollsonne mit maximaler Leistung von etwa 1,6 kW. Der Balkonspeicher von 2 kWh ist bei Beginn dieser Phase aber dann meist schon voll oder fast voll, obwohl er bei mir immer 150 Watt Grundlast ins Hausnetz durchreicht. Was kann man also tun?

Der beste Weg ist, den Verbrauch in diese Zeiten zu legen. Wenn man kocht, hat man zwar einige der grösseren Verbraucher (Herd, Ofen, Wasserkocher...) am Start, aber nur für eine überschaubare Zeit. Somit empfiehlt es sich, nach dem Essen vielleicht noch Geschirrspüler, Waschmaschine oder Staubsauger anzuwerfen. Dass kann man übrigens teilweise  auch relativ leicht bewerkstelligen, wenn man nicht zu Hause ist: Zeitschaltuhr oder WLAN-Steckdosen (die sind alle programmierbar) helfen hier weiter.

Noch schöner ist es, wenn man einen Verbraucher hat, der gleichmässig niedrige bis mittlere Leistungen abruft. Optimal ist hier eine Klimaanlage, weil es eine direkte Verbindung zu Sonnenschein gibt. 😉 Aber auch Elektroautos sind gut geeignet... wenn man sein Ladeverhalten anpasst. Dazu mehr im nächsten Teil.

Bleibt noch eine letzte Frage: warum nicht einfach mehr Balkonspeicher? Antwort: weil das komplett unökonomisch wäre. Ich habe den Nacht- und damit Grundverbrauch (23-7 Uhr) mit ca. 100W vermessen. Ein voll geladenes Speichermodul reicht damit rechnerisch für 20 Stunden, ein zusätzliches Modul würde -ausser bei mehrtätigen Regenphasen- also nichts bringen: Grossverbraucher kann ich ja schon auf den Tag legen. 😏 Wer das nicht kann, für den gilt die folgende Rechnung:

So ein Speichermodul (Growatt Noah) mit 2 kWh kostet zurzeit (sehr günstige!)  €500. 😃Rechnet man die Kilowattstunde mit €0,35 kommt man auf 1.428 kWh, die durch den Speicher laufen müssen bis er sich lohnt. Das wären dann über 700 Durchläufe von 0 auf 100% und wieder zurück auf 0! Rechnet man etwa 20% Wandlungsverluste mit ein, kommt man auf 840 Durchläufe. Wer einen wesentlich höheren Grundverbrauch hat (200 Watt oder mehr) oder öfter Grossverbraucher in den Nachtbereich schieben kann, verkürzt die Ammortisationsfrist entsprechend. Warum aber die 840 Durchläufe nicht 840 Tagen entsprechen, wird im folgenden Teil 6 erläutert.

Links:

Teil 1 - Auspacken und Aufbau

Teil 2  - Weiterer Aufbau und Pannen

Teil 3 -  Optimierung und erste Erfolge

Teil 4 -  Einbindung des Balkonspeichers

Teil 6 - Wohin mit dem Strom II 

Sonneneinstrahlungskarte Deutschland: Link

Sonnenrechner: Link 

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