Der Balkonspeicher lässt es zum Glück zu, die Energie aus den Solarmodulen nur teilweise zu speichern und den Rest ins Hausnetz durchzuleiten. Wodurch sich die Möglichkeit ergibt, den Eigenverbrauch speziell an sonnigen Tagen durch Aufladen der Fahrzeuge zu nutzen und trotzdem mit einem vollen Speicher in die Nacht zu gehen. 💥 Die Frage lautete: wie kann ich bei Vollsonne die 1,6 kW Leistung am besten abnehmen? Intelligente Wallboxen regeln dass mit der so genannten 'Überschussladung', aber wir laden ja nur mit 230V-Ladegeräten. Antwort: durch Umstellung dieser Geräte bzw. des Ladeverhaltens.
Normalerweise will man so schnell wie möglich laden, darum stehen die Ladegeräte dann auf dem Maximum von 16A gleich 3,7 kW Ladeleistung. Dies minimiert auch die Ladeverluste. Aber: man kann sie auch drosseln, die kleinste Einstellung ist 6A, knapp 1,4 kW Leistung. Wobei ich im ID.3 noch die Möglichkeit habe, das auf etwa 1 kW herunterzuregeln. Und da wird es interessant, denn hier wird praktisch die gesamte Produktion abgenommen, aber ohne zusätzlichen Strombezug aus dem Netz. Das ist leider etwas umständlich, weil ich die Ladung manuell starten und stoppen muss. Aber immerhin geht es per App. Was bedeutet, dass sich vielleicht später doch irgendwo eine Möglichkeit zur Automatisierung findet.
Natürlich kann ich auch bei Sonnenschein die Grossverbraucher anwerfen, Geschirrspüler oder Waschmaschine etwa. Dann wird aber auf Aufladen der Fahrzeuge verzichtet.
Eine eher theoretische Alternative: man kann den Balkonspeicher steuern, indem man den Durchlass per Plan beeinflusst. Die Solarpanels liefern an den Speicher, der an den Wechselrichter und der an das Hausnetz. Ich weise also den Speicher an, nur einen Teil des eingehenden Stroms zur Aufladung und späteren Nachtnutzung zu speichern und den Rest weiterzugeben, solange ich ein Fahrzeug auflade. Dies ist aber wegen des Aufbaus der Steuerungsapp für den Speicher eher unlustig, man muss dafür die Pläne wechseln. 😞
Bleibt noch folgende Frage: warum nicht den Speicher bis zum Anschlag erweitern? Dann hätte man doch die maximale Ausbeute - oder nicht? Dieser Ansatz hat einige klare Nachteile. Zwar ist Speicher deutlich günstiger als noch vor ein paar Jahren, aber dennoch sorgt er für eine Verschiebung der Ammortisationszeit der gesamten Anlage. Als (wirklich ganz grobe!) Faustregel kann man derzeit davon ausgehen, dass sich diese Zeit um mindestens 50% erhöht. Wäre also das Geld nur mit Panels nach 3 Jahren wieder drin, wären es mit einem kleinen Speicher 4,5 Jahre. 💥
Warum dauert das so lange, schliesslich wurde in Teil 5 in einer Beispielrechnung dargelegt, dass es sich 'nur' um ca. 840 benötigte Durchläufe handelt. Das sind doch 840 Tage, also weniger als 3 Jahre, oder nicht? Oder nicht: 💣 je nach Standort und Eigenverbrauch am Tag wird der Speicher an vielen Tagen nicht stark befüllt. Im Winterhalbjahr dürfte die 100%-Marke hier im Norden vermutlich regelmässig unerreichbar bleiben, von Oktober bis März fallen nur etwa 27% des Jahresertrages an, 73% dagegen im Sommerhalbjahr. In dem ich vielleicht noch urlaubsbedingt mehrere Wochen nicht zu Hause bin. Um bei dem Beispiel oben zu bleiben: Sommerhalbjahr (26 - 3 Wochen = 161 Tage), sehr (!) optimistisch wird an 150 Tagen der Speicher voll befüllt. 840/150 ergibt 5,6 Jahre. Es gilt also: Verbrauch geht immer vor Speicherung.
Links:
Teil 2 - Weiterer Aufbau und Pannen
Teil 3 - Optimierung und erste Erfolge
Teil 4 - Einbindung des Balkonspeichers
Teil 5 - Wohin mit dem Strom I
Sonneneinstrahlungskarte Deutschland: Link
Sonnenrechner: Link

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